Der Reihe nach

Ich nutze in meinem Heimnetzwerk einen OpenMediaVault-Server als zentrale Datendrehscheibe.

Vor einigen Wochen habe ich das längst überfällige Update auf OpenMediaVault Version 8 erledigt. Nach dem Neustart öffne ich die Web-Oberfläche um nachzusehen, ob alles geklappt hat. Auf den ersten Blick sieht alles funktionsfähig aus. Dann sehe ich eine Fehlermeldung vom FTP-Server (proftp). Im Hintergrund machen sich Frau und Kind gerade fertig. Wir wollen in einigen Minuten zusammen raus gehen und die Sonne genießen. Ich habe also keine Zeit das zu debuggen.

OK, dann installiere ich mal schnell Claude auf dem OpenMediaVault-Server und gucke, ob Claude den Fehler finden kann. Und ja, Claude findet den Fehler innerhalb von 19 Sekunden: Eine Direktive im Config-File gibt es in der neu installierten Version von proftpd nicht mehr (ShowSymLinks). Claude sagt mir auch, dass dieser Fehler schon automatisch von openmediavault korrigiert wurde und beim nächsten Neustart folglich nicht mehr angezeigt wird.

Ich hätte im Zweifel sicherlich auch einen Neustart probiert, aber die Ursache dieses Fehlers hätte ich nicht in 19 Sekunden gefunden. Ich lehne mich mal etwas aus dem Fenster und behaupte, niemand hätte die Ursache der Fehlermeldung in 19 Sekunden herausgefunden.

Claude findet den FTP-Konfigurationsfehler in 19 Sekunden

Das ging einfach und schnell! Nun habe ich Appetit auf mehr bekommen. Ich habe hier zwei Drucker, die seit meinem Umstieg auf den Mac verstauben – Treiber für die aktuellen Macs gibt es nicht.

Meine beiden Uralt-Drucker die ich als Netzwerkdrucker nutzen möchte Meine beiden Uralt-Drucker die ich als Netzwerkdrucker nutzen möchte

Ich wollte schon seit Ewigkeiten die beiden Drucker an openmediavault anschließen, cups konfigurieren und sie als Netzwerkdrucker dem Mac und allen anderen Endgeräten wie den Smartphones zur Verfügung stellen. Nur ist dieses Thema aufgrund des niedrigen Quotienten aus Nutzen/Aufwand seit Ewigkeiten auf meiner Someday/Maybe-Liste.

Also mal gucken, wie weit ich mit Claude komme, ich frage:

  I would like to connect my printers to this machine. 
  How should I configure printing?

Das Ergebnis is eine Analyse und sinnvolle Empfehlung von Claude: Cups muss installiert werden und zwar direkt auf dem System und nicht als Docker Container:

Claudes Analyse: CUPS direkt auf dem System installieren

Cups installieren? Das soll mal schön Claude machen, dafür mache ich mir die Hände nicht schmutzig. Wenige Sekunden später ist das erledigt.

Danach fragt mich Claude, welchen Drucker ich verbinden möchte. Ich nenne ihn meinen Laserdrucker - mit der ganz präzisen Typen-Bezeichnung Samsung ML-331x. Das hätte ich gar nicht machen müssen.

Claude findet heraus, dass neben meinem Laserdrucker ein weiterer Drucker angeschlossen ist, nämlich ein Uralt-Tintenstrahldrucker, für den ich noch Patronen bis an den Rest meines Lebens übrig habe – einen Brother DCP 135C:

Und Claude stellt richtigerweise fest, dass ich die Treiber selbst auf der Brother-Homepage herunterladen muss und sagt mir auch wie. Claude installiert den Treiber (nachdem er korrekterweise den i386-Support im Package Manager aktiviert hat) und meldet freudig:

ready to print

Der Laserdrucker funktioniert – und das nach nicht einmal 5 Minuten “Arbeit”. Danke Claude!

Ich selbst hätte mindestens eine halbe Stunde gebraucht: Einarbeitung, Installation von Cups, “Wie war das nochmal mit der Einrichtung von Druckern?”, Treiber installieren…

Aber warte: Der Tintenstrahler funktioniert nicht vom Mac aus. Nur wenn Claude direkt die Testseite vom Server druckt. Ich teile Claude das mit und er macht sich an die Fehleranalyse. Zunächst findet er heraus, dass der Mac eine andere Warteschlange nutzt als die vom Treiber angelegte:

Claude analysiert das Problem mit der Druckerwarteschlange

Ich bitte Claude die überflüssige Warteschlange zu entfernen und drucke nochmal eine Testseite. Der Fehler ist immer noch nicht behoben. Claude schaltet das Cups-Debugging ein und bittet mich nochmal zu drucken. Nachdem ich nochmal gedruckt habe, erkennt er die Ursache: Ein Fehler im cups-filter-Skript des Druckers. Das Skript stammt vom Brother und ist aus dem Jahre 2005. Nach über 20 Jahren scheint sich die Anzahl der Aufruf-Parameter bei cups geändert zu haben.

Claude findet den Fehler im cups-filter-Skript

Claude kann auch plausibel erklären, warum es nur beim Drucken über den Mac, also das Netzwerk, auftritt. Beeindruckend, dass er das erkennt. Und Claude schlägt auch gleich den Fix vor (auf sechs Aufruf-Parameter beim Aufruf von cups prüfen, nicht auf sieben):

Claude schlägt den Fix vor: cups-filter auf 6 Parameter prüfen

Und es funktioniert!

Fazit

Dank KI schaffe ich es nach Jahren des Vor-mir-her-Schiebens zwei alte Drucker in mein Heimnetzwerk einzubinden. Das Beispiel zeigt mir eindrücklich, wie schnell ich mit KI Aufgaben erledigen kann, die vorher Stunden gedauert hätten.

Mit Claude habe ich in nicht einmal 15 Minuten etwas erledigt bekommen, was ich 2 Jahre lang auf meiner Todo-Liste hatte: Zwei Drucker an meinen Server anschließen und sie anderen Computern und Handys in meinem Heimnetz als Drucker zur Verfügung zu stellen.

Denn meine persönliche Aufwand-zu-Nutzen-Rechnung fiel bisher zu negativ aus: Aufwand: Vermutlich mindestens eine Stunde wenn alles glatt gegangen wäre. Und es wäre vermutlich nicht glatt gegangen – ich hätte aufgegeben.

Mit Claude: 15 Minuten – und das ohne voll bei der Sache zu sein.

Was bedeutet das für Unternehmen?

Hier habe ich ein konkretes Beispiel dafür, wie der Einsatz von KI Unternehmen heute schon messbar Zeit und Geld sparen kann. Oder Dinge überhaupt erst möglich macht, die vorher mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen unmöglich gewesen wären.

In einem Unternehmen hätte so eine Aufgabe wie die Installation und Netzwerkfreigabe von Druckern angestellte IT-Support-Mitarbeiter oder extern beauftragter Dienstleister übernommen. Und vermutlich hätten viele IT-Arbeitskräfte, die typischerweise solche Aufgaben erledigen, den Fehler im Cups-Filterskript vom Brother-Drucker nicht gefunden. Und wenn dann nur mit viel Zeit und Geldeinsatz.

Die Aufgabe Drucker-Installation und die Herausforderungen die dabei aufgetreten sind, stehen hier stellvertretend für viele Standardaufgaben im IT-Bereich. Schon im Happy-Path, also der problemlosen Installation, spare ich durch den Einsatz von KI signifikant Zeit und Geld (hier im Beispiel der Samsung-Drucker). Und erst recht wenn Probleme auftreten und die menschliche Fehlersuche richtig aufwändig und teuer wird und ggf. gar nicht gelingt (hier im Beispiel der Brother-Drucker).

Das Beispiel zeigt, dass künftig weniger Personal benötigt wird, das nach Anleitung Standardaufgaben übernimmt: Statt 10 IT-Mitarbeiter mit mittelmäßiger Qualifizierung leiste ich mir lieber 2 IT-Mitarbeiter mit hoher Qualifizierung, die versiert im Einsatz von KI sind und durch ihre hohen IT-Kenntnisse auch eine hohe Beurteilungskompetenz haben (im Beispiel: Ist der Patch, den Claude für den CUPS-Filter vorschlägt sinnvoll und angemessen?).

Die gute Nachricht

Ich kann diesen Hochqualifizierten auch einen höheren Stundensatz zahlen: Ohne KI hätte die Aufgabe sicherlich mehrere Stunden bis Tage gedauert (wenn sie denn im Falle des Brother-Druckers überhaupt erfolgreich ausgeführt worden wäre)

Mit KI dauert die Aufgabe 15 Minuten. Dann runden wir für eine Beauftragung auf eine volle Stunde auf. Das bedeutet auch, dass ich selbst mit dem dreifachen Stundensatz als Unternehmen noch günstiger fahre – bei einer 100% Erfolgswahrscheinlichkeit und deutlich schneller (Minuten, nicht Stunden oder Tage)

Das gleiche Phänomen sehen wir aktuell in der Software-Entwicklung, wo zwei erfahrene Entwickler mit KI produktiver arbeiten als ein ganzes Team mit zwei erfahrenen Entwicklern und vier weiteren Entwicklern.

Ich sehe also gute Aussichten für Hochqualifizierte. Auf den ersten Blick keine guten Aussichten für Menschen, die bisher Aufgaben nach Schema F erledigt haben. Aber nur auf den ersten Blick, denn dank KI sehe ich große Chancen für Menschen, die bisher in unserem strukturierten Bildungssystem keine Möglichkeit hatten sich weiterzubilden. Denn Weiterbildung ist bezahlbarer und verfügbarer geworden: Sie ist nur noch einen KI-Chat entfernt.

Doch das ist ein Thema für einen anderen Artikel.